Literatur im Schnittpunkt von Himmel und Erde Home

Die Abwesenheit alles Überflüssigen

Aus dem Nachwort:
Zeuge sein von Schönheit, welche die Natur erzeugt

Was wir wiederholt suchen, findet sich in einer Gegend, in der über Natur nicht verfügt werden kann.
So im Hochgebirge, im alpinen Raum. Zwischen Engadin und Val Müstair liegt der Schweizerische Nationalpark. Wir fahren wie durch einen Filter. Ruhe breitet sich aus. Kommen wir anders über den Pass? Lassen wir etwas zurück oder fügen es neu zusammen in der «Abwesenheit alles Überflüssigen»?

Berge stehen mit hohen weiten Horizonten für das Unermessliche. Und das Unverfügbare lässt uns in einer Leere sein, die lehrt, womit wir in Beziehung stehen und in Resonanz gehen können. Eingestimmt auf eine Fülle?

Erhalten, was uns erhält? Ankommen in einer Landschaft, die schon lange gewartet hat? Auf welche Gegenwart? Geistesgegenwärtig sein, im Fluss sein mit den Kräften der Natur? Sich selbst auf die Spur kommen? Einsam das Gemeinsame erkennen? Begeistert in der Stille sein! Gespannt _ entspannt.
Wo eine Landschaft die Menschen in Ruhe lässt, da verlässt sich mancher auf eine Ankunft.

In Utopia? Nicht verfügbar der Nirgendort! Und die Zeit? Entwicklungen bereiten sich vor und nach, Fortschritte, wie es scheint. Wenn im Aussen etwas einseitig wird und nicht auszuhalten ist wie das Eingreifen in die Natur, ist ein Innehalten notwendig, ein Reifen und Begreifen des Wesentlichen. In der «Abwesenheit alles Überflüssigen»?
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Unterstützt die Natur eine Auszeit für viele, wie früher das Kloster den Rückzug weniger schützte? Das Offene der Landschaft kann die Verwandtschaft alles Lebendigen berühren. In der Natur, in den Bergen mag das Spüren der Vergänglichkeit auch die Anhänglichkeit relativieren, das Hängen an Dingen und an Sichtbarkeiten, die sich wandeln und nie sicher zu haben sind. Entsprechend nähert sich die poetische und meditative Sprache der Natur um- und einsichtig an. Sie tastet sich vor und fastet mit Begriffen. Kein Zugriff, kein Besitz- ergreifen. Kein Zufassen im Erfassen. Kein Feststellen dessen, was in Bewegung ist. Im Gedicht verweben sich An-Sätze wie Fäden im (Text-)Gewebe. Im lebendigen Zusammenhang steht das verstehende Ich nicht ausserhalb oder über den Dingen, es setzt sich nicht absolut, es relativiert sich und setzt sich zum Ganzen in ein Verhältnis.